Einführung: Wie es ist und wie es sein könnte...

Dieses Jahrbuch berichtet fast ausschließlich über Initiativen und Projekte, mit denen die Transformation zu einem klimaneutralen Deutschland umgesetzt wird. Es ist sozusagen eine Neuauflage der Artikelserie „Die gute Umweltat des Monats“ in der Zeitschrift „Kosmos - das Magazin für die Natur“ von 1993-1997. Damals berichtete ich über innovative und Hoffnung gebende Initiativen der Wirtschaft bzw. Verwaltung  in den Bereichen Klimaschutz, Naturschutz, Nachhaltigkeit. Die Serie stieß damals auf enorme positive Resonanz.
Die in immer kürzeren Abständen von immer mehr Organisationen und Medien veröffentlichten Studien, Statements und Einschätzungen zur Umwelt- und Klimaschutzpolitik sind häufig deprimierend, auch wenn sie inhaltlich oft absolut korrekt sind. Das ist sicher unvermeidbar, solange nicht in allen Bereichen drastische Reduzierungen der Treibhausgasemissionen tatsächlich umgesetzt sind.
Neben dem tatsächlichen Rückstand in der nationalen und internationalen Klimaschutzpolitik gegenüber den Zielen des Pariser Abkommens liegt dies aber auch an Strukturen unser heutigen Medienwelt, in der extreme Skandalisierung und Personalisierung viel höhere Reichweiten erzielen kann als differenzierte Analysen.
Besonders problematisch für die Einhaltung der  Klimaschutzziele und eine ergebnisorientierte Debatte dazu ist allerdings aus meiner Sicht die gigantische Zahl an (hoffentlich) gut gemeinten Online- und Printbeiträgen zu technischen Detailfragen, in denen mangels ausreichender Recherche oder Fachkenntnissen  der Autoren die Umsetzbarkeit diskutiert wird. Sie vermitteln der Bevölkerung, aber auch Multiplikatoren und Entscheidern in Politik und Wirtschaft den Eindruck, fast alle Einzelpunkte wären Gegenstand komplexer technischer Debatten und kurzfristig schwer umsetzbar. Ich hoffe, dass das vorliegende Jahrbuch hier Abhilfe schaffen kann.
Die Herausforderungen in anderen Kontinenten werden kaum behandelt, auch Fragen der Verteilungsgerechtigkeit kommen nur am Rande vor. Auch auf Defizite, Rückstände und Ablenkungsdebatten wird nur in einigen wenigen Grundsatzartikeln eingegangen. Mir ist völlig klar, dass man sich dabei auch angreifbar macht. In den meisten Bereichen sind die Fortschritte immer noch viel zu gering, um die Ziele des Bundesklimaschutzgesetztes zu erreichen. Um hier keinen Raum für Missverständnisse zu lassen, sind aber immer wieder auch Verweise auf den Status und Perspektiven auf der Basis des aktuellen Berichtes des Expertenrates abgedruckt.
Dieses Buch richtet sich an ganz normale Menschen, nicht an Insider der Umweltschutzszene. Daher und zugunsten einer guten Lesbarkeit habe ich auf Fachbegriffe bzw. Quellenangaben im Text weitgehend verzichtet und versucht, die meist komplexen Themen verständlich darzustellen. In vielen Fällen wurden dabei auch Medieninformationen der Projektträger verarbeitet und teilweise Textpassagen auch wörtlich übernommen. Die Endnoten geben entsprechende Hinweise auf die Quellen und entsprechende Onlineangebote.
Claus Obermeier
 

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