Kommentar: Wasserstoffzüge und Investitionsrückstau – bitte jetzt keine Ablenkungsdebatten

Jahrzehntelang wurde von den dafür verantwortlichen Bundesregierungen die Elektrifizierung von Dieselstrecken der Deutschen Bahn vernachlässigt. Während trotz Klimakrise und internationalen Verpflichtungen zur Senkung der Treibhausgasemissionen gigantische Summen in den Ausbau der Bundesautobahnen und Bundesstraßen gesteckt wurden, gab es außerhalb der „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ kaum finanzielle Mittel für den flächendeckenden Netzausbau der Bahn und hier insbesondere für die Elektrifizierung. Wie auch im aktuellen Koalitionsvertrag der amtierenden Bundesregierung grundsätzlich vorgesehen, müssen daher die Bundesmittel für den flächendeckenden Ausbau und insbesondere die Elektrifizierung des DB-Netztes drastisch erhöht werden, um den jahrzehntelangen Investitionsrückstau aufzulösen.
Für bestimmte Sonderfälle auf Strecken mit geringem Verkehrsaufkommen und ohne Güterverkehr stehen serienreif Akkutriebwagen zur Verfügung, die jederzeit im großen Maßstab eingesetzt werden können und müssen.
Wasserstofffahrzeuge werden in Deutschland auf Jahrzehnte sicher keine entscheidende Rolle bei der Verkehrswende und der Sicherung der CO2-Reduktionsziele gemäß Klimaschutzgesetz spielen können: Zum einen sind sie und die Versorgungsstruktur für grünen Wasserstoff ausgesprochen teuer und belasten daher stark die Budgets der Aufgabenträger. Der Ausbau der Versorgungs- und Tanklogistik dauert lange und ist aufwändig.  Zum anderen wird für Deutschland auf Jahrzehnte grüner – also durch Windstrom oder Photovoltaik erzeugter - Wasserstoff nur in geringen Mengen und zu hohen Preisen verfügbar sein. Er muss für prioritäre Aufgaben in der Industrie, für die es zurzeit keine praxisreifen anderen Alternativen zum Ersatz fossiler Energieträger gibt, eingesetzt werden.
Für Schienenstrecken gibt es mit einer klassischen Elektrifizierung oder in Sonderfällen mit einer Inselelektrifizierung für Akkufahrzeuge bewährte und effiziente Lösungen, die schnell und umfassend umgesetzt werden können. Wir haben keine Zeit, um für einzelne Strecken jetzt jahrelange „Ablenkungsdebatten“ über alternative Treibstoffe zu führen. Völlig unverständlich ist es in diesem Zusammenhang, wenn einzelne Bundesländer oder Verkehrsverbünde noch Vergaben mit Dieselfahrzeugen vornehmen.
Claus Obermeier

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